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TSV Kirchhain ist nach zehn Jahren zurückgekehrt

Verjüngung und Geduld Türöffner zur Landesliga

29.06.2003
Von Rainer Maaß
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Dass sportlicher Erfolg auch ohne Zukäufe teurer Neuzugänge planbar ist, hat der TSV Kirchhain in der abgelaufenen Saison bewiesen. Die Meisterschaft in der Fußball-Bezirksoberliga Nord und die damit verbundene Landesliga-Rückkehr nach zehn Jahren ist dabei jedoch nur das i-Tüpfelchen auf den von Coach Hartmut Huber vollzogenen Aufbauprozess. Der Oberstudienrat verjüngte den Kader in jedem seiner sechs Jahre in der Ohmstadt und steigerte die sportliche Ausbeute von Saison zu Saison.

"Wir wollten erreichen, dass wieder verstärkt Eigengewächse das Rückgrat unserer Mannschaft bilden. Ich wusste sofort, dass Hartmut Hubers Konzept eines geduldigen Aufbaus Früchte tragen wird", lobt TSV-Vorsitzender Heinz Heinen. Wie stabil die Arbeit in Kirchhain geworden war, bewies der Saisonauftakt. Dieser misslang nämlich gründlich, ohne dass sich die sonst übliche Kritik am Trainer oder eine Verunsicherung der Mannschaft gezeigt hätten. "Mein Team ist so gefestigt, dass es Rückschläge über eine Art Selbstreinigungsprozess überwand", hat Hartmut Huber beobachtet.

". . . in Buchenau den Schalter umgelegt"

Zum ersten Mal geschah dies im Herbst letzten Jahres, als plötzlich eine Serie gestartet wurde, die Kirchhain bis zur Winterpause an die Tabellenspitze führte. Der junge Kader mit zwölf Spielern unter 25 Jahren absolvierte eine prima Restrundenvorbereitung mit guten Ergebnissen gegen höherklassige Klubs und schien gerüstet, ehe erneut der Start misslang. "Ich musste keinen Rapport im klassischen Sinne durchführen. Die Jungs haben das selbst geregelt und schließlich beim Spiel in Buchenau den Schalter umgelegt", blickt Huber zurück. Er und Heinz Heinen wussten aber erst beim Kantersieg in Eckelshausen, "dass wir mit dieser Mannschaft das Zeug zur Meisterschaft haben."

Die Basis für den Erfolg bildete die Defensivabteilung mit dem exzellenten Keeper Frank Wagner sowie Libero Stefan Tripp, der vor allem aufgrund seiner Ruhe und Übersicht bestach. Die individuellen Fähigkeiten der Manndecker Andi Gehring, welcher eher den rustikalen Spielstil pflegt und Steffen Franz, der technisch beschlagen ist, kombinierte Huber mit dem defensiven Mittelfeld zu einem echten Bollwerk. "Die Absicherung nach hinten beginnt in unserer Vorwärtsbewegung", schärfte Huber den Seinen ein und installierte in Jan Dieckhoff vor der Abwehr eine Art "Quarterback" mit strategischer Funktion.

Auch wenn der Trainer im Fünfer-Mittelfeld die fehlende Torgefährlichkeit moniert, konnten sich die Darbietungen des TSV Kirchhain zumindest in spielerischer Hinsicht sehen lassen. Verantwortlich dafür war die gute Abstimmung auf den beiden Außenbahnen: Frederik Schmidt und Jürgen Behnen über rechts sowie Oliver Peekhaus und Lars Hoffmann über links machten den Unterschied zur ambitionierten Ligakonkurrenz aus. Hoffmann gelang es sogar, seine Fähigkeiten als Vorbereiter zu verbessern und über raffinierte Freistöße für Gefahr zu sorgen. Selbst Marc Bergmanns 20 Treffer täuschen nicht darüber hinweg, dass im Angriff der wunde Punkt lag. Bergmanns Sturmpartner André Corvinelli kam auch wegen Verletzungen nicht recht in Tritt und legte erst gegen Rundenende mental und körperlich zu. "Bei ihm hat es jetzt Klick gemacht. Corvinelli hat verstanden, was ich von ihm erwarte, so dass ich in Bezug auf seine Person ein sehr gutes Gefühl für die Landesliga habe", berichtet Hartmut Huber. Was den angestrebten Klassenerhalt ins Hessens zweithöchster Amateurliga angeht, ist Huber Realist: "Derzeit liegen unsere Chancen bei höchstens zehn Prozent. Wenn wir aber weiter so arbeiten, wie in den letzten Jahren, werden die Chancen sicher steigen."

Statt Panikkäufen noch mehr Nachwuchskräfte

Der Verein hat sich dank solider Wirtschaftsführung und erstklassiger Arbeit, im Umfeld großen Respekt erarbeitet hat. Vorsitzender Heinz Heinen will diesen nicht durch überteuerte Panikkäufe und die damit verbundene wirtschaftliche Schieflage gefährden, sondern weiter die eigenen Nachwuchskräfte als Basis verwendet sehen. Mit seinem Coach liegt er diesbezüglich auf einer Wellenlänge. Neben den bekannten Zugängen Lutz Welpelo (FV Wehrda), Marco Sack (TuSpo Ziegenhain) und Jan Krätschmer (SV Alsfeld) rücken gleich fünf A-Jugendliche in den Kader auf. Als größten Zukunftswunsch äußern Huber und Heinen die Hoffnung auf eine größere Resonanz. "Wir wollen in Sachen Präsentation der Landesligaspiele alles tun, um die Anhänger zu begeistern, aber wir brauchen bei unserer schwierigen sportlichen Aufgabe auch die Unterstüzung unserer Zuschauer."