TSV
Kirchhain ist nach zehn Jahren zurückgekehrt Verjüngung
und Geduld Türöffner zur Landesliga 29.06.2003 Von
Rainer Maaß Tel.: (0 64 21) 1 69 99 17 E-Mail:redaktion.mnz@mail.mittelhessen.de Dass
sportlicher Erfolg auch ohne Zukäufe teurer Neuzugänge planbar ist,
hat der TSV Kirchhain in der abgelaufenen Saison bewiesen. Die Meisterschaft in
der Fußball-Bezirksoberliga Nord und die damit verbundene Landesliga-Rückkehr
nach zehn Jahren ist dabei jedoch nur das i-Tüpfelchen auf den von Coach
Hartmut Huber vollzogenen Aufbauprozess. Der Oberstudienrat verjüngte den
Kader in jedem seiner sechs Jahre in der Ohmstadt und steigerte die sportliche
Ausbeute von Saison zu Saison.
"Wir wollten erreichen, dass
wieder verstärkt Eigengewächse das Rückgrat unserer Mannschaft
bilden. Ich wusste sofort, dass Hartmut Hubers Konzept eines geduldigen Aufbaus
Früchte tragen wird", lobt TSV-Vorsitzender Heinz Heinen. Wie stabil
die Arbeit in Kirchhain geworden war, bewies der Saisonauftakt. Dieser misslang
nämlich gründlich, ohne dass sich die sonst übliche Kritik am Trainer
oder eine Verunsicherung der Mannschaft gezeigt hätten. "Mein Team ist
so gefestigt, dass es Rückschläge über eine Art Selbstreinigungsprozess
überwand", hat Hartmut Huber beobachtet. ". . . in Buchenau
den Schalter umgelegt" Zum ersten Mal geschah dies im Herbst letzten
Jahres, als plötzlich eine Serie gestartet wurde, die Kirchhain bis zur Winterpause
an die Tabellenspitze führte. Der junge Kader mit zwölf Spielern unter
25 Jahren absolvierte eine prima Restrundenvorbereitung mit guten Ergebnissen
gegen höherklassige Klubs und schien gerüstet, ehe erneut der Start
misslang. "Ich musste keinen Rapport im klassischen Sinne durchführen.
Die Jungs haben das selbst geregelt und schließlich beim Spiel in Buchenau
den Schalter umgelegt", blickt Huber zurück. Er und Heinz Heinen wussten
aber erst beim Kantersieg in Eckelshausen, "dass wir mit dieser Mannschaft
das Zeug zur Meisterschaft haben." Die Basis für den Erfolg bildete
die Defensivabteilung mit dem exzellenten Keeper Frank Wagner sowie Libero Stefan
Tripp, der vor allem aufgrund seiner Ruhe und Übersicht bestach. Die individuellen
Fähigkeiten der Manndecker Andi Gehring, welcher eher den rustikalen Spielstil
pflegt und Steffen Franz, der technisch beschlagen ist, kombinierte Huber mit
dem defensiven Mittelfeld zu einem echten Bollwerk. "Die Absicherung nach
hinten beginnt in unserer Vorwärtsbewegung", schärfte Huber den
Seinen ein und installierte in Jan Dieckhoff vor der Abwehr eine Art "Quarterback"
mit strategischer Funktion. Auch wenn der Trainer im Fünfer-Mittelfeld
die fehlende Torgefährlichkeit moniert, konnten sich die Darbietungen des
TSV Kirchhain zumindest in spielerischer Hinsicht sehen lassen. Verantwortlich
dafür war die gute Abstimmung auf den beiden Außenbahnen: Frederik
Schmidt und Jürgen Behnen über rechts sowie Oliver Peekhaus und Lars
Hoffmann über links machten den Unterschied zur ambitionierten Ligakonkurrenz
aus. Hoffmann gelang es sogar, seine Fähigkeiten als Vorbereiter zu verbessern
und über raffinierte Freistöße für Gefahr zu sorgen. Selbst
Marc Bergmanns 20 Treffer täuschen nicht darüber hinweg, dass im Angriff
der wunde Punkt lag. Bergmanns Sturmpartner André Corvinelli kam auch wegen
Verletzungen nicht recht in Tritt und legte erst gegen Rundenende mental und körperlich
zu. "Bei ihm hat es jetzt Klick gemacht. Corvinelli hat verstanden, was ich
von ihm erwarte, so dass ich in Bezug auf seine Person ein sehr gutes Gefühl
für die Landesliga habe", berichtet Hartmut Huber. Was den angestrebten
Klassenerhalt ins Hessens zweithöchster Amateurliga angeht, ist Huber Realist:
"Derzeit liegen unsere Chancen bei höchstens zehn Prozent. Wenn wir
aber weiter so arbeiten, wie in den letzten Jahren, werden die Chancen sicher
steigen." Statt Panikkäufen noch mehr Nachwuchskräfte
Der Verein hat sich dank solider Wirtschaftsführung und erstklassiger
Arbeit, im Umfeld großen Respekt erarbeitet hat. Vorsitzender Heinz Heinen
will diesen nicht durch überteuerte Panikkäufe und die damit verbundene
wirtschaftliche Schieflage gefährden, sondern weiter die eigenen Nachwuchskräfte
als Basis verwendet sehen. Mit seinem Coach liegt er diesbezüglich auf einer
Wellenlänge. Neben den bekannten Zugängen Lutz Welpelo (FV Wehrda),
Marco Sack (TuSpo Ziegenhain) und Jan Krätschmer (SV Alsfeld) rücken
gleich fünf A-Jugendliche in den Kader auf. Als größten Zukunftswunsch
äußern Huber und Heinen die Hoffnung auf eine größere Resonanz.
"Wir wollen in Sachen Präsentation der Landesligaspiele alles tun, um
die Anhänger zu begeistern, aber wir brauchen bei unserer schwierigen sportlichen
Aufgabe auch die Unterstüzung unserer Zuschauer." |